Harry Valérien

Harry Valérien

* 03.11.1923 in München
† 12.10.2012
Erstellt von
Angelegt am 13.10.2012
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Über den Trauerfall (2)

Hier finden Sie ganz besondere Erinnerungen an Harry Valérien, wie z.B. Bilder von schönen Momenten, die Trauerrede oder die Lebensgeschichte.

13.10.2012 um 19:34 Uhr von Redaktion
Foto 1 für Harry Valérien

Biografie

13.10.2012 um 03:42 Uhr von Redaktion

Harry Verlérien kommt 1923 in München zur Welt. Schon früh muss er mit dem Verlust beider Eltern zurecht kommen. So kommt seine Mutter bei einem Autounfall ums Leben, als Valérien gerade 14 Jahre alt ist. Nur ein Jahr später stirbt auch sein Vater und hinterlässt Valérien und seine drei jüngeren Geschwister als Vollwaisen. Der Großvater der Kinder nimmt sich ihrer an und so wachsen die vier bei ihm auf.

Auf Wunsch seines Großvaters absolviert Valérien zunächst eine Lehre zum Mechaniker und arbeitet im Anschluss für kurze Zeit als Geselle. Auf dem Höhepunkt des II. Weltkrieges wird er 1942 zum Kriegsdienst eingezogen und gerät nach Kriegsende in amerikanische Gefangenschaft.

Er hat Glück: Seine Gefangenschaft ist nur von kurzer Dauer und er kann bereits ein Jahr später den ersten Schritt auf dem Weg zu seinem Traumberuf machen - er schreibt sich an der Deutschen Journalistenschule ein.

1947 findet er seine erste feste Anstellung als Reporter beim Münchner Merkur, wo er zunächst als Volontär, später als Redakteur tätig ist.

1949 beginnt er zudem für den Bayerischen Rundfunk zu arbeiten, bevor seine Karriere 1952 einen ersten Höhepunkt erreicht: Zu seiner eigenen Überraschung wird der gerade 28-Jährge auserkohren, als einer von vier Sportjournalisten für den Rundfunk von den Olympischen Winterspielen in Norwegen zu berichten. Damit war die Weiche für seine große Karriere im Sportjournalismus gelegt. Von nun an berichtete er als Kommentator von allen Olympischen Spielen - bis ins Jahr 1996. Nur ein einziges Mal konnte er nicht dabei sein: 1956 fehlte Valérien im journalistischen Aufgebot für die Olympiade.

Doch Valérien will, dass der Sport mehr als nur eine Randerscheinung in Funk und Fernsehen ist und wird Mitbegründer des "Aktuellen Sportstudios". Von 1963 bis 1988 moderiert er die Kultsendung 283 Mal. Valérien entwickelt sich zum Publikumsliebling, denn die Zuschauer merken: Hier ist einer, der seinen Beruf nicht nur macht, sondern liebt. „Mit dem aktuellen Sportstudio hat er eine Traditionsmarke im Sport-TV und für das Publikum viele unvergessene Fernsehmomente geschaffen“, so ZDF-Chefredakteur Peter Frey.

Er engagiert sich über die Maßen und greift auch mal zu ungewöhnlichen Mitteln um sein Publikum zu unterhalten. So fordert er 1973 den Olympiadritten im 200 Meter Freistil - Werner Lampe - zu einem Wettschwimmen heraus. Valérien, der damals bereits 50 Jahre alt ist, tritt ganz selbstbewusst gegen den 21-Jährigen Kontrahenten an. Zur Belustigung der Zuschauer tritt der Journalistin Schwimmflossen an und schafft das schier Unmögliche: Er schlägt eine Zehntelsekunde vor Lampe an.

Valériens Leidenschaft gilt d stehts dem Sportjournalismus. Er liebt seinen Beruf und ist nicht bereit seine journalistische Arbeit einzuschränken, um die Karriereleiter weiter hinauf zu klettern. Das Angebot den Posten als ZDF-Sportchef zu übernehmen, lehnt er 1983 ab. "Ich bleibe lieber Reporter, das sagt mir mehr zu als jede Verwaltung", so Valérien.

2002, nachdem er auch für Sat.1 und Premiere als Sportkommentator gearbeitet hat, wird er mit dem Bayerischen Sportpreis in der Kategorie "Herausragende Präsentation des Sports" ausgezeichnet.

Am 12. Oktober 2012 ist Harry Valérien nun auf der Rückfahrt von einem Treffen ehemaliger Kollegen und Skirennläufer friedlich eingeschlafen und an Herzversagen gestorben ist. Auch Franz Beckenbauer trauert um die Ikone des Sportjournalismus und twitterte: „Ruhe in Frieden mein Freund!“